An der Grenze die Verbindung halten!

 

Montag den 20. Juni 2016

Im Moment der Grenzsetzung in Verbindung mit dem Kind zu bleiben

und dich nicht abzutrennen, abzuwenden, abzulenken oder deine Liebe zu entziehen. Das Kind fühlt sich an der Grenze verletzt, wenn wir uns in diesem Moment innerlich abtrennen, wenn wir uns verschließen, bzw. keine Pflege in Form von Verständnis und Aufmerksamkeit schenken.

Wenn ich mir erlaube noch tiefer zu schauen, dann frage ich mich, was heißt denn „die Verbindung halten“, wenn ich mal von äußeren Faktoren absehe. Denn möglich ist auch, jedoch wirkungslos, dass ich mich äußerlich zuwende, „alles richtig mache“ und innerlich schon längst weggegangen bin - aus dem Kontakt mit mir, aus der Situation und damit aus der Verbindung mit meinem Kind gegangen bin.

Was heißt präsent - in Kontakt zu bleiben? Wir sind eingeladen zu forschen: Dich genau dem zu widmen, was vor der eigenen Nase liegt und dich in das Jetzt auszudehnen – in die unbegrenzte Weite des Augenblickes. Ich bin im Jetzt wenn ich Raum und Weite spüre, Möglichkeiten zu handeln sehe, wenn ich mich jedoch eingeengt fühle, automatisch reagiere, nur eine Möglichkeit sehe, dann weiß ich, ich bin nicht im Augenblick, sondern in meiner Geschichte der Vergangenheit, in der Sorge über die Zukunft, in Geschichten über mich oder mein Kind gelandet. Genau das ist ganz zentral wichtig, sich immer wieder zu fragen, wo bin ich eigentlich gerade. Der erste Schritt, um dich selbst wieder ins Jetzt zurückzuholen ist tief durchzuatmen. Der Sauerstoff versorgt das Gehirn mit Energie und das bewusste Atmen bewirkt, dass du wieder in deinen Körper gelangst, also ins Jetzt.

Was wir wahrnehmen hängt davon ab, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Wenn der Atem ein Luftballon darstellen würde, wär die Schnur am Luftballon, die ich halte, die Aufmerksamkeit, die ich auf ihn richte. Also wenn wir unsere Atmung nicht wahrnehmen ist sie, der Luftballon trotzdem da, wir nehmen ihn einfach nur nicht wahr. Aus der Tiefe betrachtet, geht es vordergründig nicht um die Beziehung zum Kind sondern um die Beziehung zu dir selbst. Indem du dich ehrlich betrachtest, nah mit mit dir bist, schaffst du die Möglichkeit einer bewussten mitfühlenden Verbindung zwischen dem personalen Selbst (die Persönlichkeit, die dich überleben ließ und dir Halt schenkte, eine Identität verlieh..) und unserem wahren Selbst (das Bewusstsein, was wir in Wirklichkeit von Natur aus sind). Dann fühlen wir uns wahrgenommen von DEM, das uns niemals ablehnt, niemals zurückweist oder verurteilt – unserem wahren Selbst. Es sieht, wie du dich bewertest, kritisierst, dein Leid selbst erschaffst, doch es verurteilt nicht einmal das. Es ist einfach bei dir, lebenslänglich. Diese Präsenz ist unser treuer Freund,wie ein Geliebter. Die Aufmerksamkeit und Verbindung zu ihm bewusst zu halten, schafft eine heilende „Ich- Selbst-Beziehung“. Verlässlichkeit, Sanftmut und Akzeptanz bilden die Qualität deiner SelbstAufmerksamkeit und lassen die Beziehung zu und in dir heilen.


Bist du bereit, den Moment so zu lassen wie er ist, ohne dich gegen die damit einhergehenden Gedanken und Gefühle zu wehren und ohne mit dem Geist in neue Gedanken abzuschweifen? Bleiben wir mit der Aufmerksamkeit in der Gegenwart werden wir transparent, durchlässig, weit, empfindsam, einfühlsam, offen, verbunden. Es ist diese zutiefst mitfühlende Akzeptanz mit der das Selbst dem Ich begegnet, die uns im Angesicht unserer schlimmsten Ängste (einschließlich der Urangst des menschlichen Ichs vor dem NichtSein) aufrecht hält – wahren Halt schenkt ‐ der Atem und die Aufmerksamkeit in der Gegenwart tragen dich. An genau dieser Stelle zeigt sich der springende Punkt im Kontakt und in der Verbindung an der Grenze in der Beziehung mit den Kindern.

Ein indischer Weise schreibt: Um unser wahres Selbst zu erkennen, müssen wir auf dem Weg zurückkehren, auf dem wir gekommen sind.

Dein Kind führt dich in deine ErInnerungen zurück, zu deinen Erfahrungen als Kind, dein Körper erinnert sich und dabei hast du Jetzt die Gelegenheit mit dir so umzugehen, wie du es dir gewünscht hast, dass man mit dir umginge, dann wirst du ganz natürlich, diesen Umgang auch auf dein Kind ausweiten. Eine andere Möglichkeit ist, dass du deine Aufmerksamkeit immer wieder zurückholst in Interaktion mit deinem Kind. Dich verbindest mit dem, was du fühlst, was du hörst, was du siehst. Wenn du wirklich schaust ins Gesicht, in die Augen deines Kindes, in die Liebe, die dir dort entgegenstrahlt, fließt etwas zu dir, das dich sanft und weit, offen und verletzlich werden läßt. Das ist unsere Natur als Mensch, die wir alle versucht haben zu verleugnen. Genau dahin führen unsere Kinder uns zurück, wenn wir uns auf die Wahrheit des Lebens einlassen. Wir können ihnen folgen, dem Leben folgen, weil wir erkannt haben, dass das Leben an sich weise ist. Dabei gibt es nichts richtig zu machen, gut zu machen, dabei gilt es einzig, in den Moment einzutauchen, sich einzulassen, auf das was ist, sich entspannen ganz bewusst und im Moment nicht zu kontrollieren, nicht zu machen, sondern das nicht wissen zuzulassen, so dass der Augenblick uns leiten, öffnen und weiten kann. Das ist das ehrliche und heilende Geschenk im Umgang mit den Kindern. Jeden Tag wachsen wir ein bisschen mehr in die Weisheit des Lebens hinein und ergründen das Leben an sich und damit auch den Tod. Denn einiges auf diesem Weg muss dann sterben, sich auflösen, Neuem weichen.